Sommerloch-Griff in das Archiv: Waldbrandgefahr in Spanien so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr
09.07.2009 Von Heinz Gomez
MURCIA – Erschienen am Donnerstag, 21. April 2005 in La Verdad deutsche Ausgabe. Autonome Regionen und Zentralregierung wollen mit Notfallplänen und Sondereinheiten den Flammen trotzen – Frühwarnsysteme, Patrouillen und moderne Technik.
In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden in Spanien 1.460 Waldbrände registriert. Das ist fast das Doppelte des Durchschnittswertes vom Vorjahr. Aufgrund der geringen Regenfälle in diesem Frühjahr ist die Gefahr für Waldbrände in diesem Jahr überdurchschnittlich hoch. Auch die Weltraumbehörde NASA geht nach der Auswertung von Satellitenbildern von einer hohen Gefährdung aus. Im Jahr 2004 verbrannten in Spanien insgesamt 100.000 Hektar Wald.
Anhand der jetzt vorliegenden Zahlen läßt sich ein erster Trend ableiten: Die Zahl der Brände steigt, doch die zerstörte Fläche nimmt ab. Die knapp 1.500 Feuer vom Januar und Februar verbrannten 11.716 Hektar Wald. 2002 war die Fläche drei mal so groß. Zurückzuführen ist der Erfolg auf verbesserte Frühwarnsysteme und verstärkte Patrouillen, sowie auf neue Techniken bei der Bekämpfung der Flammen sowohl aus der Luft, als auch am Boden. Im Umweltministerium in Madrid wird derzeit ein Notfallplan ausgearbeitet. Auch die einzelnen Autonomen Regionen treffen Maßnahmen.
438 Einsatzkräfte in der Region Murcia
So sind in Murcia in der Zeit von Juni bis September 438 Personen ausschließlich zum Schutz der Wälder in der Region im Einsatz. Allein für die Überwachung stehen 123 Einsatzkräfte zur Verfügung. 20 Wachtürme in besonders gefährdeten Gebieten sind rund um die Uhr besetzt. Hinzu kommen mobile Patrouillen des Zivilschutzes, die mit Freiwilligen besetzt sind.
Unterstützt werden sie von einem modernen Überwachungsflugzeug, das mit mehreren Kameras bestückt ist, und Videoaufnahmen in Echtzeit in die Einsatzzentralen übermitteln kann. Hinzu kommen zwei Hubschrauber, die sowohl zur Überwachung als auch zur Bekämpfung der Flammen eingesetzt werden können. Für den sogenannten „Plan Infomur“ zur Vermeidung und Bekämpfung von Waldbränden wurden von der murcianischen Landesregierung sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Auch die in den Städten Murcia und Cartagena stationierten Feuerwehren sind auf größere Waldbrände vorbereitet. Insgesamt verfügen die städtischen Feuerwehren über 600 Feuerwehrleute. Hinzu kommen zusätzliche, schnelle Eingreifgruppen mit 144 Personen. 2004 verbrannten in Murcia 385 Hektar Land, wovon 67 Hektar Wald waren.

2.300 Einsatzkräfte im Land Valencia
Auch im Land Valencia hat man sich für mögliche Waldbrände gewappnet. 2.300 Feuerwehrleute stehen bereit, um Wald- und Wiesenbrände aus der Luft und am Boden zu bekämpfen. Dazu stehen 28 spezielle Löschzüge mit Tankwagen zur Verfügung, die an strategischen Punkten im Land Valencia stationiert sind. Hinzu kommen acht Helikopter, die teilweise mit Infrarotkameras ausgestattet sind, und alle über unterschiedliche Löscheinrichtungen verfügen. Am effektivsten sind zweifellos die sieben propellergetriebenen Löschflugzeuge, die ihre Tanks ohne landen zu müssen mit einem Überflug knapp über der Oberfläche mit tausenden Litern Wasser füllen können, das dann dann großflächig über dem Brand abgelassen wird.
Nachteil dieser Feuerbekämpfungsflugzeuge: Sie können nur bei Tageslicht Einsätze fliegen. Sollte es auf den Balearen zu größeren Bränden kommen, werden die Löschflugzeuge auch dort eingesetzt. Im letzten Jahr verbrannten im Land Valencia 1.105 Hektar Land, deutlich weniger als in den beiden Jahren zuvor. Doch in den ersten drei Monaten des Jahres gingen bereits 585 Hektar in Flammen auf, was die negativen Vorhersagen zu bestätigen scheint.
Für 90 Prozent der Brände sind Menschen verantwortlich
Nach wie vor ist das Fehlverhalten der Menschen für die überwiegende Zahl von Flächenbränden verantwortlich. Mal ist es die „berühmte“ weggeworfene Zigarette, mal wirken Scherben von zerbrochenen Flaschen wie Brenngläser und verursachen Brände. Auch außer Kontrolle geratenes Verbrennen von Gartenabfällen ist häufig ein Auslöser.
In den kommenden Monaten soll die Bevölkerung verstärkt über die Gefahren durch falsches Verhalten hingewiesen werden. Ein Phänomen sind auch die Brandstiftungen. Obwohl Gesetze erlassen wurden, die eine gewerbliche Nutzung von abgebrannten Flächen für einen langen Zeitraum unmöglich machen, steigt die Zahl der Brandstiftungen, die nicht nur Umweltschäden verursachen, sondern auch Menschen und Tiere grundlos der Gefahr aussetzen.
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