Samstag, 11 of Februar of 2012

Spanien: 30 Jahre Verfassung

07.12.2008 Von Kai Shanghai

BARCELONA – Ursache und Wirkung. Am 6. Dezember 1978 bekam Spanien eine demokratische Verfassung. War ja auch an der Zeit. Und außerdem war der Diktator . 30 Jahre ist das nun her. So richtig in der Neuzeit angekommen sind jedoch noch nicht alle Spanier.

Da erklärt beispielsweise Oppositionsführer Mariano Rajoy, dass seine Partei im Prinzip die einzige sei, die den Bestand der Verfassung garantiere. Was natürlich Blödsinn ist. Aber so sind sie halt, die von der Partido Popular (PP). Merkwürdiges auch in Barcelona.

Getreu dem Motto Els Catalans no tenim rey trug die Jugendorganisation der separatistischen Partei Esquerra Republicana in Barcelona am Feiertag in einem symbolischen Sarg symbolisch die Verfassung zu Grabe. Hört sich pompös an, war es aber gar nicht. Gerade mal ein Grüppchen von 100 Leuten marschierte durch das Stadtviertel Raval zur Abschlusskundgebung vor dem Museum Macba.

Dort geschah dann Sonderbares. Joan Tardá (Foto), seines Zeichens ERC-Abgeordneter in Madrid ergriff das Wort. Als guter Katalane tat er das natürlich auf Katalan. Und es ging gleich gut los: Giftpfeile gegen Manuel Fraga, zum Demokraten konvertierter Ex-Minister unter Francisco Franco. Fraga schrieb nämlich damals an der spanischen Konstitution mit.

Und dann kam endlich das, worauf die versammelte Gilde der rechtsnationalen Presse gewartet hatte: Der Politiker nahm den König ins Visier. “Viva la República, muerte al Borbón”. Wir haben uns die Freiheit genommen, den in Katalan ausgesprochenen Satz auf Kastilisch zu reproduzieren. Auf gut Deutsch: “Es lebe die Republik, Tod dem Bourbonen (dem König also)”.

Ursache und Wirkung. Hat ja mal wieder alles bestens funktioniert. Die komplette Rechtspresse (Abc, El Mundo, La Razon etc.) macht die Sonntagsausgaben heute mit dieser Meldung auf. Denn: Königsbeleidigung ist in Spanien Straftatbestand! Auf dass der Staatsanwalt ermittle! Ab in den Kerker mit Tardá! Bei Wasser und Brot.

Schaun mer mal was passiert. Tardá ist inzwischen ein Stückchen zurückgerudert. Es handele sich um ein historisches Zitat. Mitnichten wünsche er dem spanischen König Juan Carlos ein baldiges Ableben. Die PP will ihn jetzt erst recht in Ketten sehn. Viva! Was auch immer.

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