Montag, 6 of Februar of 2012

Spanien: Neues vom Berufsopfer

26.12.2008 Von Kai Shanghai

MADRID / JAÉN – Einige Zeit hörte man kaum etwas von Francisco José Alcaraz. Bis vor wenigen Monaten war dieser Mensch Vorsitzender der ultrarechten Opfervereinigung Asociación Víctimas del Terrorismo (AVT). Diese Organisation hat irgendwann einmal die Interessen von ETA-Opfern vertreten. Bis Alcaraz 2006 ihr Vorsitzender wurde.

Da regierte José Luis Rodríguez Zapatero schon seit mehr als zwei Jahren in . Seitdem hat Alcaraz, dessen Bruder und zwei Nichten bei einem ETA-Terror-Anschlag ermordet wurden, und weswegen auch Alcaraz ein Opfer ist, so einiges veranstaltet.

Massendemonstrationen gegen die in Madrid. Fast schon krankhafte Versuche, die Attentate vom 11. März 2004, die von Islamisten begangenen wurden, der ETA in die Schuhe zu schieben. Und Sprüche, die so eigentlich nicht zu erwarten sind. “Zapatero ist Sprecher der ETA” ist nur einer davon.

Auslöser für das Verhalten war letztendlich eine von den Terroristen einseitig angekündigte Waffenruhe, die von eben jenen auch wieder aufgekündigt wurde, als eine Bombe große Teile eines Parkhauses am Madrider Flughafen zerstörte. Zwei Menschen wurden dabei ermordet.

Wegen so manchem von dem, was der Herr im Laufe der Zeit von sich gab, steht noch der ein oder andere Gerichtsprozess an. Jetzt hat Alcaraz eine neue Organisation gegründet: Voces contra el Terrorismo – Stimmen gegen den Terrorismus.

Einer der Gründe für die neue Opfervereinigung. Sein Nachfolger bei der AVT habe der Organisation in wenigen Monaten mehr Schaden hinzugefügt als Zapatero in vier Jahren. Wenn das mal kein Grund ist. Der kleine Mann glaubt vermutlich, er sei der Einzige, der im Namen der Opfer sprechen und handeln dürfe. Unterstützt wird das Männle dabei von dem katholischen Radiosender Cope, der nationalen Zeitung El Mundo und Teilen der oppositionellen Partido Popular.

Dass die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen ist dem Aktivisten egal. Noch nie waren so wenig Opfer durch die baskischen Terroristen zu beklagen, noch nie saßen so viele Terroristen, Helfer und Helfershelfer im Knast.

Alcaraz ist das Schnuppe. Stattdessen veröffentlicht der Opfervertreter bitterböse Karikaturen auf seiner Internetseite. Aussage selbstverständlich: Zapatero und ETA sind im Prinzip dasselbe, zumindest haben beide die selbe Ideologie.

Leider findet ein erschreckend großer Teil der spanischen Bevölkerung dies alles prima und wird wohl demnächst auf die Straße gehen, zu irgendeinem schwammigen Motto, das letztlich nur gegen die Regierung geht. Der könnte man so manches vorwerfen…Mißerfolge bei der Terrorbekämpfung hingegen nicht.

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